Stadtentwicklung bleibt nicht stehen: Was Didi für Oberpullendorf mitnimmt
Weiterbildung, Austausch und ein wacher Blick über den Tellerrand: Didi Csitkovics war in den letzten Wochen für BLOP! bei mehreren Veranstaltungen und besonderen Orten unterwegs. Im Gepäck: konkrete Ideen für Leerstand, Ortskern, Handel, Jugend, Mobilität und neue Formen der Zusammenarbeit in Oberpullendorf.
Stadtentwicklung passiert nicht im Sitzungssaal allein. Sie entsteht dort, wo Menschen hinschauen, zuhören, Fragen stellen und bereit sind, von anderen Orten zu lernen. Genau deshalb ist Didi Csitkovics für BLOP! und Oberpullendorf seit Jahren bei Konferenzen, Exkursionen, Fachveranstaltungen und besonderen Projekten unterwegs. Nicht als Selbstzweck. Sondern, weil Oberpullendorf vor Fragen steht, die viele Gemeinden kennen: Wie bleibt der Ortskern lebendig? Was passiert mit Leerständen? Wie wird der Hauptplatz wieder stärker zum Treffpunkt? Wie können Jugend, Handel, Mobilität, Kultur und Aufenthaltsqualität zusammengedacht werden?
Die letzten Wochen waren dafür besonders dicht. Vom Symposium „Zukunft Dorf“ in der Bauermühle Mattersburg über die Gießerei in Ried im Innkreis, den Brachflächen-Dialog zur Leerstandsentwicklung in Bischofshofen, das Retail Symposium von RegioPlan im Wiener MuTh bis zum Start des Impulsraums für Dorfentwicklung im Burgenland: Überall ging es um eine zentrale Beobachtung. Orte bleiben nicht automatisch lebendig. Man muss an ihnen arbeiten.
Zukunft Dorf: Ortskerne brauchen Menschen, nicht nur Pläne
Am 13. März waren Didi und Sonja Csitkovics für BLOP! beim Symposium „Zukunft Dorf“ in der Bauermühle Mattersburg. Der Nachbericht beschreibt die Veranstaltung als Symposium für lebendige Ortskerne und nachhaltige Dorfentwicklung; im Programm standen unter anderem gemeinschaftliches Wohnen, Klimawandelanpassung, lebendige Ortskerne, Siedlungsstrukturen, Neutal als Beispiel für Dorfentwicklung, das GmoaTaxi Oberschützen sowie Jugend und Mobilität.
Besonders hängen geblieben ist der praktische Zugang. Ortskernentwicklung beginnt nicht erst beim großen Umbau. Sie beginnt bei der Frage, warum Menschen überhaupt gerne im Zentrum sind. Monika Hohenecker von Raum.Impuls brachte es im Nachbericht auf kleine, machbare Schritte: den eigenen Ort neu kennenlernen, Eigentümer:innen von Leerständen einladen, Stärken und Schwächen gemeinsam ansehen und daraus konkrete Ideen entwickeln.
Für Oberpullendorf ist das keine abstrakte Frage. Der Hauptplatz, die Obere Hauptstraße, leerstehende oder wenig genutzte Flächen, Wege für Radfahrende und Fußgänger:innen, Aufenthaltsbereiche für Jugendliche und ältere Menschen: Das alles gehört zusammen. Wenn man über Stadtentwicklung spricht, darf man nicht nur in Gebäuden denken. Man muss in Wegen, Begegnungen und Alltag denken.
Auch das Thema Jugend war in Mattersburg stark präsent. Eszter Szajkovics von der Landesschüler:innenvertretung machte deutlich, dass junge Menschen echte Räume, bessere Mobilität und ernst gemeinte Beteiligung brauchen. Jugendliche sollen nicht nur Thema sein, sondern mitreden können. Genau daran knüpft BLOP! mit dem Projekt JUZOP an, das Jugendlichen in Oberpullendorf einen Ort für Begegnung, Austausch und Mitgestaltung schaffen will.

Gießerei Ried: Was aus einem Leerstand werden kann
Ende März führte ein privater Besuch in Oberösterreich auch in die Gießerei nach Ried im Innkreis. Wer sich mit Leerstand und Nachnutzung beschäftigt, kommt an solchen Orten nicht vorbei. Die Gießerei zeigt, wie aus einem alten Gebäude ein lebendiger Baustein der Innenstadt werden kann: Café, Co-Working, Veranstaltungsräume, regionale Angebote und ein Ort, an dem Menschen nicht nur vorbeigehen, sondern bleiben.
Die Gießerei beschreibt ihr Co-Working-Angebot als Raum für Geschäftsideen, Synergien, Meetings und Schulungen. Dazu kommen ein Bio-Bistro, ein Co-Working-Café, ein Veranstaltungsbereich und weitere Infrastruktur im „Haus der Nachhaltigkeit“. Besonders spannend ist die aktuelle Erweiterung: Auf der Website wird ein „Brückenschlag“ über die Eislaufgasse mit zusätzlichem Veranstaltungsraum und Dachterrasse beschrieben.
Für Oberpullendorf ist dabei nicht wichtig, so etwas eins zu eins zu kopieren. Wichtig ist die Haltung dahinter. Ein Leerstand ist nicht automatisch ein Problem. Er kann auch ein Anfang sein. Für ein Café. Für gemeinsames Arbeiten. Für Veranstaltungen. Für Seminare. Für junge Menschen. Für regionale Initiativen. Entscheidend ist, dass man Flächen nicht nur verwaltet, sondern Möglichkeiten darin erkennt.

Brachflächen-Dialog: Leerstand muss man kennen, bevor man ihn entwickelt
Am 22. April ging es für Didi online weiter zum 17. Webinar des Brachflächen-Dialogs. Diesmal stand die Leerstandsentwicklung in Bischofshofen im Mittelpunkt. Laut Brachflächen-Dialog ging es um die Frage, wie Orte Leerstand verorten, analysieren, entwickeln und nach- oder zwischennutzen können. Studierende der FH Salzburg erhoben mit Unterstützung der Stadt Bischofshofen und des Regionalverbandes Pongau Leerstände, analysierten Potenziale und entwickelten Nachnutzungsideen.
Das klingt fachlich, trifft aber einen sehr konkreten Punkt: Man kann Leerstand nicht aus dem Bauch heraus lösen. Zuerst muss man wissen, was da ist. Welche Flächen stehen leer? Wem gehören sie? Welche Nutzung wäre realistisch? Welche Hürden gibt es? Was braucht der Ort wirklich?
Auch bei BLOP! war Leerflächenmanagement zuletzt immer wieder Thema. Beim Treffpunkt zu kurzen Wegen wurde es ebenso diskutiert wie die Frage, wie die Obere Hauptstraße bei Veranstaltungen besser genutzt werden könnte. Im BLOP!-Jahresrückblick 2025 wurde festgehalten, dass ein Vorschlag zum Leerflächenmanagement von der Wirtschaftsagentur aufgegriffen und ein Pilotprojekt mit der Stadtgemeinde Oberpullendorf gestartet wurde. Was daraus wird liegt bei den aktuell politisch Verantwortlichen.
Genau solche Fäden müssen weitergezogen werden. Nicht laut, nicht hektisch, sondern konsequent und gemeinsam. Wer sich für Stadtentwicklung interessiert, sollte sich in der WhatsApp-Gruppe Stadtentwicklung mal blicken und seine Ideen hinterlassen.

Retail Symposium: Handel braucht Frequenz, Gefühl und neue Antworten
Am 23. April ging es nach Wien ins MuTh, den Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. Dort fand das 28. Retail Symposium von RegioPlan statt. Das Symposium ist zum 28. Mal ein Branchenevent und Think Tank für Handel und Handelsimmobilien. Im Programm standen unter anderem Expansion, neue Märkte und unter anderem der Vortrag „Mut & Marketing im Chatbot-Zeitalter – Warum sich Discovery drastisch verändern wird“.
Für Oberpullendorf ist der Handel eine besondere Frage. Die Bezirkshauptstadt ist Verkehrsknotenpunkt, Schulstadt, Einkaufsstandort und Dienstleistungszentrum. Gleichzeitig ist der Ortskern von 3 Einkaufszentren und Fachmarktflächen rund um die Ortsgrenzen umgeben. Genau deshalb reicht es nicht, auf alte Rezepte zu warten. Der Ortskern wird nicht gewinnen, wenn er versucht, ein Fachmarktzentrum zu imitieren. Er braucht eigene Stärken: persönliche Begegnung, kurze Wege, Aufenthaltsqualität, regionale Angebote, Gastronomie, Kultur und Anlässe, die Menschen wirklich ins Zentrum bringen.
Das passt auch zu den Erfahrungen rund um Genussmarkt und Genussfest. Wenn der Hauptplatz belebt ist, merkt man sofort, was möglich wäre. Menschen bleiben stehen. Sie reden miteinander. Sie kaufen ein, essen, hören Musik und treffen Bekannte. Frequenz entsteht dort, wo ein Ort mehr bietet als Parkplätze und bunte Fassaden.

Impulsraum: Dorfentwicklung im Burgenland neu vernetzen
Ende April ging es nach Eisenstadt ins Landhaus Neu. Dort startete der Impulsraum, ein offenes Forum für Dorfentwicklung im Burgenland. Hier treffen Raumplanung, Architektur, Bürgerbeteiligung, Verwaltung und politische Entscheidungsträger:innen aufeinander. Inhaltlich ging es um die Dorfentwicklungsstrategie und die Weiterentwicklung der Förderrichtlinien.
Der Verein „Unser Dorf“ ist dabei Kommunikationsdrehscheibe, Fördermedium und dient auch der Öffentlichkeitsarbeit für innovativen Dorfentwicklung im Burgenland. Auf der Website des Landes Burgenland wird die umfassende Dorferneuerung ebenfalls als eigener Themenbereich geführt. Für BLOP! ist dieser Austausch wichtig, weil Oberpullendorf nicht isoliert gedacht werden kann. Viele Herausforderungen teilen wir mit anderen Gemeinden. Gute Lösungen entstehen schneller, wenn Wissen, Erfahrungen und Fehler offen angesprochen werden.
Was bleibt für Oberpullendorf?
Unterm Strich nimmt Didi aus diesen Wochen viel mit: Wissen, Kontakte und neue Motivation. Aber vor allem eine Bestätigung: Stadtentwicklung braucht Ausdauer. Es geht nicht um einen einzigen großen Wurf. Es geht um viele Schritte, die zusammenpassen.
Ein Leerstand wird nicht durch einen Facebook-Post aktiviert. Ein Hauptplatz wird nicht durch eine einmalige Veranstaltung lebendig. Jugendliche bekommen nicht automatisch Raum, nur weil alle sagen, dass sie wichtig sind. Radfahren wird nicht sicherer, wenn man nur darüber redet. Und Handel im Ortskern wird nicht stärker, wenn man die Veränderungen im Konsumverhalten ignoriert.
Für BLOP! bedeutet das: dranbleiben, weiterlernen, Menschen zusammenbringen und Ideen so lange verdichten, bis daraus konkrete Projekte werden. In Oberpullendorf gibt es dafür viele Ansatzpunkte: JUZOP, Radln in OP, Genussmarkt, Leerflächenmanagement, Treffpunkte, Beteiligungsformate, Wirtschaft und neue Kooperationen mit Menschen, die ihre Stadt nicht aufgeben wollen.
Stadtentwicklung bleibt nicht stehen. Oberpullendorf sollte es auch nicht.