Unternehmerstammtisch: Klare Kommunikation und konkrete Lösungen für Oberpullendorfs Innenstadt
Wie wird Oberpullendorf wieder ein attraktiver Wirtschaftsstandort für viele und wie bringen wir wieder mehr Leben in die Innenstadt? Beim Treffpunkt Wirtschaft am 19. August im Sonnenland Teamspace diskutierten Oberpullendorfer Unternehmer:innen und Interessierte gemeinsam mit BLOP! über aktuelle Probleme und mögliche Lösungen. Besonders häufig genannt wurden die Kommunikation zwischen Stadt und Betrieben, die Parkplatzsituation, Leerstände und die Frage, wie mehr Menschen dazu bewegt werden können, in Oberpullendorf nicht nur kurz stehen zu bleiben, sondern gerne länger zu bleiben.
Einen zusätzlichen Blick von außen brachte Überraschungsgast Reinhard Deutsch, Bürgermeister von Jennersdorf, Malermeister und Vertreter der Bürgerliste JES ein. Seine Erfahrungen zeigten, wie wichtig es ist, Wirtschaft, Politik und Bevölkerung nicht getrennt voneinander zu betrachten.

Baustellen brauchen bessere Kommunikation
Ein Thema zog sich durch fast alle Wortmeldungen des Abends: Unternehmer brauchen mehr, direkte und verlässliche Kommunikation.
Besonders deutlich wurde das am Beispiel der langwierigen Baustellen rund um die Fernwärme. Betriebe berichteten von Behinderungen und wirtschaftlichen Auswirkungen über viele Monate. Kritisiert wurde dabei nicht nur die Baustelle selbst. Viel stärker ging es um die Frage, wie betroffene Unternehmer informiert und in die Abläufe einbezogen werden.
Gerade weil weitere Bauarbeiten bereits absehbar sind, müsse aus den Erfahrungen gelernt werden.
„Eine Baustelle lässt sich manchmal nicht vermeiden. Aber man kann frühzeitig sagen, was passiert, wie lange Einschränkungen dauern, welche Zufahrten möglich bleiben und wen Betriebe bei Problemen erreichen können. Für Unternehmen und somit für den Wirtschaftsstandort ist Planbarkeit enorm wichtig“, fasst BLOP!-Obmann Dietmar Csitkovics einen wesentlichen Punkt des Abends zusammen.
Mehrere Teilnehmer wünschten sich generell einen regelmäßigeren und direkteren Austausch zwischen Stadtgemeinde, Stadtmarketing und Wirtschaftstreibenden. Information dürfe nicht erst dann beginnen, wenn Entscheidungen bereits getroffen sind – oder nur an ausgewählte Personen verteilt werden.
Parkplatzfrage neu stellen: Es geht um Kunden, nicht um Autos
Als zweites großes Thema kristallisierte sich die Parkplatzsituation in Oberpullendorf heraus. Die Diskussion zeigte allerdings auch, dass „mehr Parkplätze“ alleine zu kurz greift. Die Diskussion findet schon seit dem Start des Unternehmerstammtisches im Jahr 2005 keine Lösung durch eine klar kommunizierte Entscheidung.
Denn eigentlich geht es um eine andere Frage:
Wie schaffen wir es, dass Kunden Oberpullendorf gut erreichen, ihre Wege bequem erledigen und danach gerne noch durch die Innenstadt gehen, einkaufen, etwas trinken oder essen und länger bleiben?
Dafür müssen unterschiedliche Bedürfnisse betrachtet werden. Mitarbeiter und Dauerparker haben andere Anforderungen als Kund:innen. Wer nur kurz etwas abholt, braucht möglicherweise eine gut funktionierende Kurzhalte- oder Ladezone. Menschen, die mehrere Geschäfte besuchen oder Zeit im Zentrum verbringen sollen, brauchen wiederum andere Lösungen.
Auch Fußwege zwischen Parkmöglichkeiten und Innenstadt, Beschilderung, Aufenthaltsqualität und tatsächliche Fußgängerfrequenz gehören deshalb in die Diskussion.
Damit verschiebt sich die Perspektive: Nicht möglichst viele Autos auf der Hauptstraße sind das Ziel, sondern möglichst viele Menschen, die gerne durch die Hauptstraße flanieren. Verfügbare Parkplätze und weniger Leerständen wirken hier wie Henne und Ei aus dem bekannten Problem.
Innenstadtbelebung braucht mehr als einzelne Veranstaltungen
Eng mit der Parkplatzfrage verbunden ist die Frequenz im Ortskern. Beim Unternehmerstammtisch wurde der Unterschied zwischen „in Oberpullendorf wohnen“ und „in Oberpullendorf leben“ diskutiert.
Oberpullendorf ist Bezirkshauptstadt, Schul-, Verwaltungs-, Gesundheits- und Einkaufsstandort. Viele Menschen fahren täglich in die Stadt oder durch die Stadt. Daraus entsteht aber nicht automatisch Frequenz für Handel und Gastronomie.
Die entscheidende Frage lautet daher: Was bringt Menschen dazu, auszusteigen und zu bleiben?
BLOP! beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit dieser Frage. Der Genussmarkt am Hauptplatz, Bürgerbefragungen zu Begegnungszonen und Ortskernbelebung, Gespräche mit Stadtentwicklungsexpert:innen sowie Exkursionen nach Tulln und Trofaiach haben unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt.
Auch beim Unternehmerstammtisch wurde deutlich: Es gibt nicht die eine Maßnahme, die alle Probleme löst. Entscheidend ist ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Erreichbarkeit, attraktiven öffentlichen Räumen, Handel, Gastronomie, Veranstaltungen, Leerstandsmanagement und professionellem Standortmarketing.
Leerstände und Stadtmarketing professionell angehen
Mehrere Wirtschaftstreibende brachten auch die Leerstände in der Innenstadt zur Sprache.
Aus Sicht von BLOP! braucht es dafür eine Stelle, die sich kontinuierlich darum kümmert: mit aktuellen Daten zu freien Geschäftsflächen, direktem Kontakt zu Eigentümer, aktiver Suche nach neuen Betrieben und Nutzungen sowie der Verbindung zu Förderstellen und Standortmarketing.
Entsprechendes Know-how wurde in den vergangenen Jahren mehrfach nach Oberpullendorf geholt. Umso wichtiger sei nun, bestehende Ansätze tatsächlich in dauerhafte Strukturen zu überführen.
Auch die geplante Neuorganisation des Stadtmarketings sollte nach Ansicht der Teilnehmer nicht hinter verschlossenen Türen erfolgen. Wirtschaftstreibende und andere Betroffene sollten frühzeitig eingebunden werden. Leider waren Bürgermeister Heisz und Stadtmarketingobfrau Mary Bauer beim Unternehmerstammtisch nicht dabei – zum Stadtmarketing gibt es aber aktuell Gespräche.
Blick nach Jennersdorf: Politik kann Rahmenbedingungen verändern
Für zusätzliche Diskussion sorgte der Impuls von Reinhard Deutsch. Der Jennersdorfer Bürgermeister ist selbst Unternehmer und schilderte seinen Weg vom Wirtschaftstreibenden in die Kommunalpolitik.
Er berichtete unter anderem von Fördermöglichkeiten für Betriebe und Vereine, Aktivitäten im Jugendbereich und Erfahrungen rund um kommunale Infrastruktur, wie das Schwimmbad. Besonders interessant war auch die strategische Frage, wofür eine Stadt künftig stehen möchte.
Jennersdorf will sich beispielsweise bewusst als Sportstadt positionieren. Für Oberpullendorf stellt sich damit erneut die Frage, die BLOP! bereits bei einem Positionierungsworkshop 2021 diskutierte:
Wofür soll Oberpullendorf in zehn oder zwanzig Jahren stehen?
Denn erst wenn diese Richtung klar ist, können Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, öffentlicher Raum, Branchenmix und Investitionen konsequent darauf ausgerichtet werden.
Deutsch brachte am Ende auch einen wesentlichen Gedanken des Abends sinngemäß auf den Punkt: Es brauche die Anstrengung vieler, damit gemeinsam tatsächlich etwas weitergeht.
Wir hatten in Jennersdorf auch ähnliche Herausforderungen. Ich kann nur empfehlen, dass sich jene, die in der Politik Verbesserungspotenzial sehen auch selbst Verantwortung übernehmen. Es geht nur gemeinsam, aber einer alleine wird es nicht schaffen.
Reinhard Deutsch | Bürgermeister Jennersdorf (Bürgerliste JES)
Nächster Schritt: Parkplatzsituation gemeinsam bearbeiten
Aus dem Unternehmerstammtisch soll deshalb unmittelbar ein konkreter nächster Schritt entstehen.
BLOP! wird in den kommenden Wochen einen eigenen Termin zur Parkplatz- und Erreichbarkeitssituation in Oberpullendorf vorbereiten. Dietmar Csitkovics übernimmt die Koordination, damit hoffentlich dann auch Bürgermeister Heisz sowie Stadtmarketingobfrau Mary Bauer dabei sind. Eingeladen werden sollen auch Unternehmer:innen, Stadt/Gemeinderäte und weitere Personen, die Erfahrungen oder Lösungsvorschläge beitragen können.
Dabei soll bewusst ergebnisoffen gearbeitet werden. Es geht nicht darum, bereits vor dem ersten Gespräch festzulegen, ob Oberpullendorf mehr Parkplätze, andere Kurzparkregelungen, Mitarbeiterparkplätze, Ladezonen, eine bessere Wegführung oder ganz andere Maßnahmen braucht.
Zuerst sollen die tatsächlichen Probleme unterschieden und danach konkrete Varianten entwickelt werden:
Konfrontation muss nicht Streit bedeuten. Für mich bedeutet sie, unterschiedliche Sichtweisen an einen Tisch zu bringen und miteinander die beste sachliche Lösung zu finden. Genau das brauchen wir jetzt auch bei der Parkplatzfrage und bei der Innenstadtbelebung.
Dietmar Csitkovics, BLOP!-Obmann
Der BLOP!-Obmann wird 2027 auch als Listenführer und Bürgermeisterkandidat der Bürgerliste Liste für ALLE antreten. Für ihn ist der Unternehmerstammtisch auch ein Beispiel dafür, wie er kommunalpolitische Arbeit versteht: zuerst alle Betroffenen einbinden und wirklich zuhören, unterschiedliche Interessen sichtbar machen, Fachwissen einholen und danach gemeinsam entscheiden. Das macht er in seinem Beruf als Digital Pacemaker für Firmen so. Das lebt er auch im Verein BLOP! seit über 5 Jahren. Und diese Art der Beteiligung wird er auch in die Kommunalpolitik einbringen.
Denn bei einem Punkt herrschte am Ende weitgehend Einigkeit: Oberpullendorf braucht auch für einen starken Wirtschaftsstandort mehr Miteinander. Entscheidend ist, daraus gemeinsam konkrete Lösungen zu machen.
Pressedownload:
- Fotos_Quelle BLOP!:
- PIC1 Unternehmerstammtisch trotz Urlaubszeit gut besucht Herausforderungen in Oberpullendorf machen keinen Urlaub
- PIC2 Präsentation nd Diskussion zum Thema Wirtschaft und Politik
- PIC3 Diskussion zu Wirtschaftsthemen wuden vom Input von Bürgermeister Reinhard Deutsch bereichert
- PIC4 Dietmar Csitkovics
- PIC5 jennersdorf deutsch reinhard 400x500 (Quelle jennersdorf.eu)
- PIC1 Unternehmerstammtisch trotz Urlaubszeit gut besucht Herausforderungen in Oberpullendorf machen keinen Urlaub
- Präsentation als PDF: BLOP Treffpunkt Wirtschaft Unternehmerstammtisch 2026 08